Die Malerei von Lucy Muss wirkt auf ihre Art privat - sie strahlt Wärme, Verspieltheit und eine vergängliche Schönheit aus. Ihre Arbeit dreht sich oft um Tischdeko und Blumen: den Ort, an dem Mahlzeiten geteilt und Geschichten erzählt werden. Und der Ort, an dem Blüten sich in ihrer vollen Pracht zeigen, bevor sie verblühen. Für Lucy sind sie nicht nur Objekte: vielmehr sind sie Rituale des täglichen Lebens, die uns zusammenbringen. Und so sollen sie auch im Moment genossen werden.
Vielleicht scheint es auch deshalb nicht überraschend, dass Lucys Weg in die Kunst kein direkter war. Von Ballett zum Schauspiel und Journalismus und Innenarchitektur - in ihrer Karriere ging es immer um Selbstausdruck, Farbe und das Erzählen von Geschichten.
Heute ist das Malen ihr Ventil und das, was sie auf dem Boden hält. Mehr erfährst du in unserem Gespräch, in dem wir uns über die Ruhe des Malens unterhalten und warum Blumen und gemeinsame Mahlzeiten das Herzstück ihrer Werke sind.
Freddie’s Flowers: Du hast als Tänzerin begonnen und dann in Cambridge Sprachen studiert, bevor du Journalistin beim Guardian geworden bist - und jetzt finden wir uns hier wieder! Was war der Punkt, an dem du entschieden hast, Künsterlin zu werden?
Lucy Muss: Ich habe immer Gymnastik und Ballett geliebt, aber etwas zu spät damit begonnen. Deshalb habe ich dann Französisch und Spanisch in Cambridge studiert und die Hälfte meiner Zeit geschauspielert. Als ich Cambridge verlassen habe, hatte ich keinen Dunst von Karrieren, wusste aber viel über ausländische Filme und Literatur. Ich hatte keine wirklichen Fähigkeiten, aber irgendwie habe ich mich in die Radio Times geschummelt und so meine Karriere als Journalistin begonnen. Aber das Büroleben war nichts für mich. Es half mir aber, Geld zu verdienen, während ich mit einem Freund namens Lex Filme produziert und eine Firma namens LucenLex films gegründet habe. Nach der Geburt meines dritten Kindes, Coco, hat es mich in die Innenarchitektur verschlagen, nachdem eine Freundin mich um Rat für ihr Zuhause gebeten hat. Ich hatte richtig Freude daran, ihr Zuhause zu gestalten, tolle Muster auszuwählen, auszumalen und Vintage-Möbel zu finden. Das war für mich eine fruchtbare Zeit des Lernens über Farben und Räume und so war es - denke ich - auch ideal für meine Kunst.
“Malen ist Meditation. Selbstausdruck ist fundamental.”
FF: Wenn man sich deine frühere Karriere ansieht, gewinnt man den Eindruck, dass Selbstausdruck sehr wichtig für dich ist. Kannst du uns sagen, wie wichtig kreative Kommunikation als Ventil ist?
LM: Selbstausdruck ist fundamental. Ich bin jemand, der kommunizieren muss, um seine Gedanken zu verarbeiten. Wenn ich aber male, verschwindet dieses Bedürfnis und ich empfinde ein unglaublich starkes Gefühl meiner Bestimmung, von Ruhe und hypnotischer Energie. Ich denke, es hat mich zu einer weniger nervösen und einer bodenständigen Person gemacht. Das Malen selbst ist wie Meditation und ich mag, dass es seine eigene Sprache spricht.
FF: Blumen und Tischdeko kommen in deinen Bildern oft vor, kannst du uns darüber mehr erzählen?
LM: Ich male, was ich sehe und was ich liebe; und ich versuche, es fröhlich zu gestalten. Ich bin die Mutter von drei Kindern, deshalb sind Mahlzeiten ein kreativer Prozess - das Kochen ist ein Akt der Liebe und das Essen verschwindet so schnell - aber in diesen Momenten sind die Geschichten, das Lachen und die Tränen, die wir teilen, sehr intensiv. Blumen haben dieselbe Energie und vergängliche Schönheit. Es dauert fast ein Jahr, bis eine Blume entsteht und dann halten sie nur für ein paar Wochen. Ich kann nicht genug von ihnen bekommen - ich denke, ein Zuhause braucht frische Blumen, Pflanzen, gute Gerüche und Musik, damit es sich glücklich anfühlt. Die einfachen Dinge des Lebens.
“Ich denke, ein Zuhause braucht frische Blumen, Pflanzen, gute Gerüche und Musik, damit es sich glücklich anfühlt. Die einfachen Dinge des Lebens.”
FF: Wo beginnst du, wenn du Interieur malst: mit einer Farbpalette, einem Platz aus dem echten Leben, einem Objekt oder erträumst du es dir?
LM: Eine Mischung aus Erinnerungen, Dingen, die ich gesehen habe, Fotos, die ich über Jahre gespeichert habe. Der erste Funke springt schnell und instinktiv über und aud seinen Elementen baue ich dann auf. Ich habe viele Alben auf meinem Handy und auf Pinterest gespeichert, aber auch die kleinsten Dinge inspirieren mich. Es kann ein Streifen auf einem Vorhang beim Metzger sein, ein Geschirrtuch in einer fremden Küche, ein Blick durch eine fremde Tür, die Form eines Fensters, eine Filmszene oder ein Raum.
FF: Welche Blumen stechen für dich besonders hervor?
LM: Meine Idealvorstellung ist eine Vase voll und voll mit Pfingstrosen, in vielen Schattierungen derselben Farbe - dasselbe gilt für Blattwerk wie Eukalyptus. Ich konzentriere mich auch gerne auf eine einzelne Blume in einem kleinen Gefäß wie einem Marmeladenglas oder einer Tasse. Von Pfingstrosen, Ranunkeln, Hortensien und Tulpen bin ich beinahe besessen. Und ich liebe Blumen, die schön sterben; die behalte ich danach auch getrocknet.
“Meine Idealvorstellung ist eine Vase voll und voll mit Pfingstrosen, in vielen Schattierungen derselben Farbe.”
FF: Mit dem nahenden Herbstbeginn möchten wir es uns gemütlich machen und unser Zuhause genießen. Wie verbringst du gerne deine Morgen, Tage und Abende in den kühleren Übergangsmonaten?
LM: Ich liebe den Herbst! Ich habe von der Sommerhitze genug, sobald der September beginnt, und kann es kaum erwarten, meine Bräune mit einem gemütlichen Pullover zu verstecken, sobald es kühler wird. Meine Besessenheit mit Salaten wird zu einer mit Suppen und Eintöpfen und ich zünde ein Feuer im Kamin an, so oft ich kann. In den kalten Monaten tue ich das, bevor die Kinder aufwachen, damit sie vor der Schule am Feuer frühstücken können. An freien Tagen kochen wir viel, genießen ausgedehnte Lunches mit Freunden, Spaziergänge mit dem Hund und ich gehe dann auch immer zum Columbia Road Flower Market. Alleine eine Kunstgalerie zu besichtigen ist wie eine Belohnung für mich.
FF: Aus künstlerischer Sicht: Was war dein bisher stolzester Moment?
LM: Ehrlich gesagt, jedes Mal wenn ich ein Stück verkaufe oder einen Auftrag erhalte, ein Geburtstagsgeschenk oder etwas für eine:n Freund:in zu kreieren, ist es eine riesige Ehre für mich. Nach New York geflogen zu werden, um eine ganze Wand im Geschäft des Big Night Shop zu bemalen – das war ganz schön cool.
FF: Wir können es kaum erwarten zu sehen, was die Zukunft für dich bringt. Was planst du gerade?
LM: Ich arbeite an einer Bilderserie mit Wildblumen, inspiriert von einer Reise in die Bretagne diesen Sommer. Ich habe außerdem ein paar kleinere Ausstellungen und plane eventuell eine größere im Ausland. Meine EastEnd Prints-Karten werden außerdem bei John Lewis und Anthropology erhältlich sein. Und auch sonst habe ich ganz viele Ideen, also behaltet mich im Auge.
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Erfahren Sie, wie die einzelnen Künstler die Pfingstrose interpretiert haben
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