In Tabby Booth’s Kunst liegt eine stille Magie - kräftige Silhouetten voll Ruhe und Geschichte. Tabby lebt in Falmouth, wo sie als Künstlerin, Illustratorin und Kuratorin arbeitet, deren Werke sich mit Charakter und Kontrast auseinandersetzen. Nachdem sie Cygnets Arts School und später Sailors Jail Gallery mitbegründet hat, führte ihr kreativer Weg sie vom Kunstunterricht für Kinder zum Kuratieren von Ausstellungen in einem renovierten Gefängnis aus dem 17. Jahrhundert. Wir haben sie getroffen und über kreative Wiederentdeckung und das Malen von Blumen gesprochen und darüber, wie Innenarchitektur ihren Blick auf die Welt beeinflusst
Freddies Flower’s: Angefangen hat alles damit, dass du Illustration in Central Saint Martins studiert und dann Cygnets Art School und vor nicht allzu langer Zeit auch Sailors Jail Gallery in Falmouth mit deinem Mann James Heslip mitbegründet hast. Erzähl uns doch bitte von deiner Reise? Wann hast du entschieden, sowohl die Schule als auch die Galerie zu gründen und dich dann aus der Schule zurückzuziehen, um dich auf deine eigene Arbeit zu konzentrieren?
Tabby Booth: IEs war eine aufregende Reise! Nach meinem Abschluss an der Central Saint Martins 2012 war mir schnell klar, dass ich keine freiberufliche Illustratorin sein wollte. Mein Mann Hessy und ich lebten auf einem Boot in Kingston und arbeiteten in einer Kunstschule für Kinder in London. Wir haben uns dann entschieden, da, wo wir wohnten, zu unterrichten, in der Hoffnung auf ein verlässliches Einkommen und Zeit für unsere eigene Kunst. Diese kleine Idee ist schnell zu mehr geworden. In Cygnets lehren wir Kinder traditionelle Kunstfertigkeiten - das ist ungewöhnlich, war aber sehr erfolgreich. Als sich unser Standort in Kingston füllte, sind wir nach Richmond expandiert und uns schließlich für ein Franchise-Modell entschieden, damit auch andere im ganzen Land solche Schulen eröffnen konnten.
2020 sind wir nach Cornwall gezogen und haben dort Zweigstellen von Cygnets eröffnet. 2023 haben wir ein Gebäude für unseren Unterricht gefunden - das alte Gefängnis in Falmouth aus dem Jahr 1666 - und wussten sofort, dass es sich auch als Galerie hervorragend machen würde.
Wir wollten ortsansässige, alternative Künstlerinnen ausstellen, die sonst nicht gezeigt wurden. Sailors Jail ist schnell gewachsen und Ende 2024 lief es hervorragend. Sowohl die Galerie als auch Cygnets mit zwei kleinen Kindern zu Hause zu managen war schwierig, deshalb haben wir Cygnets 2024 abgegeben, um uns voll auf unsere Kunst und die Galerie konzentrieren zu können.
FF: Kannst du uns deinen kreativen Prozess erklären? Du bist für deine Silhouetten bekannt und wir wüssten gerne, wie es zu deinem unverwechselbaren Stil gekommen ist.
TB: Als wir Sailors Jail eröffneten, wusste ich, dass ich wieder Kunst schaffen musste. Ich hatte das Gefühl, mich zwischen Kunst und Illustration entscheiden zu müssen. Ich habe immer zur Illustration tendiert, mich aber zum Malen hingezogen gefühlt: ihre Fühlbarkeit, die physische Textur von etwas, das man an seine Wand hängen kann. Ich habe mich entschieden, mich darauf zu konzentrieren.
Rückblickend habe ich auch als Kind schon immer Tiere gemalt, oft in schwarz weis. Die Silhouette war immer da und mir wurde klar, dass sie auch in der Arbeit anderer Künstler immer das war, was mich am meisten faszinierte. Und so habe ich mich daraf konzentriert. Heutzutage ist es schwierig, etwas komplett Neues zu schaffen, aber ich wollte, dass sich die Kombination aus Stil, Subjekt und Medium so einzigartig wie möglich für mich anfühlt.
Eine Zeitlang habe ich die Illustration komplett ausgeschlossen. Dann entdeckte ich eine Zeichen-Challenge namens Peachtober auf Instagram, gestartet von Furry Little Peach. Ich kaufte spontan ein iPad und habe mitgemacht. Diese kleine Entscheidung hat alles verandert. Die Reaktion, die ich online bekam, war wunderbar und mir wurde klar, dass ich mich nicht entscheiden muss - ich kann einzigartige Kunstwerke malen, aber auch digitale Illustrationen kreieren. Diese Abwechslung ist seither wirklich der Schlüssel zu meiner Arbeit.
"Wir wollten ortsansässige, alternative Künstlerinnen ausstellen, die sonst nicht gezeigt wurden. Sailors Jail ist schnell gewachsen und Ende 2024 lief es hervorragend.”
FF: Was war dein bisher stolzester Moment als Künstlerin?
TB: Ohne Frage, mein Interview mit The World of Interiors. Ich habe diese Zeitschrift seit meiner Kindheit geliebt, das war also die Erfüllung eines Lebenstraumes. Als der Artikel erschien, enthielt er ein riesiges Foto meines Ateliers, voll mit meinen Gemälden - und das ganz oben auf der Website. Das war einer dieser “Kneif mich mal”-Momente, die ich nie vergessen werde.
FF: In deiner Arbeit kommt die Natur sehr oft vor; kannst du uns mehr über ihre Präsenz erzählen und auch deine Verbindung zu Blumen?
TB: Als ich wieder zu malen begonnen habe, habe ich mich fast ausschließlich auf Tiere konzentriert. Ich liebe sie als Subjekte in meinen Bildern, weil sie so viel Charakter besitzen und oft Geschichten andeuten, sogar in einfacher Form. Sie erinnern Menschen an alte Märchen oder an ein geliebtes Haustier, ohne dass ich eine Geschichte dahinter forcieren muss.
In letzter Zeit habe ich auch mehr figurative Arbeiten angefertigt, sowie Stilleben - Gefäße, Pflanzen und Blumen. Ich spiele gerne mit Silhouetten und denen von Blumen im Besonderen, weil sie oft als leicht und zart angesehen werden, ich sie aber in festen, dunklen Formen darstelle. Sogar dann inkludiere ich fast immer ein Tier oder eine Figur irgendwo, auch wenn es nur ein kleiner Käfer auf einer Vase ist oder ein geschnitzter Vogel. Ohne diesen Charakter kann ich nicht leben!
FF: Wie stehst du zu Blumen und gibt es welche, die für dich interessanter sind als andere?
TB: Ich liebe Blumen und Chrysanthemen (die ihr mir ja auch für den Shoot geschickt habt) sind meine absoluten Lieblinge. Blumen sind so der kleine Luxus, den man als Erwachsener mehr zu schätzen weiß - etwas Einfaches, das aber deinen Tag so viel besser machen kann.
FF: Du hast eine Leidenschaft für Innenarchitektur und das behältst du bei jedem deiner Kunstwerke auch im Hinterkopf. Kannst du uns dazu mehr erzählen?
TB: Innenarchitektur ist definitiv meine zweite Liebe. Ich war schon immer fasziniert davon, wie Farbe, Textur und Muster zusammen Atmosphäre kreieren können. Für mich sind gute Teppiche und gute Kunst unverzichtbar.
Mit meinen Gemälden möchte ich Objekte kreieren, die aussehen, als wären sie aus dem Boden gewachsen - Stücke, die Tiefe, Geschichte und Charakter in einen Raum bringen. Ich suche Rahmen, die vintage oder antik sind und kreiere dann Kunstwerke, die da reinpassen, anstatt es umgekehrt zu machen. Ich liebe daran, dass sie gleich zum Aufhängen bereit sind und sofort einen Raum verwandeln.
Ich glaube auch sehr an Kontrast. Ich finde es großartig, dass man etwas, das wie ein antikes Gemälde aussieht, mit einem modernen illustrativen Print kombinieren kann. Wenn man Dinge mischt, die traditionell nicht zusammenpassen, ist das Resultat umso interessanter.
“Ich spiele gerne mit Silhouetten und denen von Blumen im Besonderen, weil sie oft als leicht und zart angesehen werden, ich sie aber in festen, dunklen Formen darstelle.”
FF: Du hast ein wunderschönes Zuhause geschaffen, das die Menschen gerne auf Instagram sehen - wir natürlich auch. Was war dein Zugang zur Renovierung und wo holst du dir deine Inspiration für Inneneinrichtung?
TB: Dankeschön! Vor dem Umzug nach Cornwall haben wir zehn Jahre auf einem Boot gelebt, also war ich echt froh, endlich mehr Platz zu haben - besonders an den Wänden. Ich habe mein Leben lang Bücher über Inneneinrichtung gesammelt, daher kommt auch viel meiner Inspiration, aber mein Zugang ist normalerweise natürlich und ungeplant.
Budget und bestehende Stücke geben meistens vor, was möglich ist, also beginne ich meistens mit Wandfarben. Wir haben eine Palette, zu der wir tendieren - saftige Juwelentöne wie Rot, Grün, Blau, Pink, Orange und Gelb (niemals Lila). Der nächste Schritt ist das Finden eines Teppichs, um den Raum zu verankern - alles andere baut sich dann daraus auf.
FF: Wie verbringst du denn deine Morgen, Tage und Abende in der jetzt kühleren Jahreszeit?
TB: Ich kann mich ehrlicherweise nicht mehr an meinen letzten freien Tag erinnern, aber jetzt, wo meine Kinder in Vollzeit-Betreuung sind, versich ich meine Tage besser zu strukturieren - ich halte mich bis zum spateren Vormittag von meinem Handy fern und lege es am Nachmittag auch wieder weg. Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit. Mein Atelier ist gemutlich, gerade an sturmischen Abenden und ich liebe es, zu malen, wahrend ich rausschaue auf die Felder und zum Meer Cornwalls. Die Stimmung dieser Jahreszeit ist einfach magisch.
FF: Hast du Tipps zur Inneneinrichtung, die ein Zuhause einladender machen oder mal etwas Abwechslung in die Räume bringen?
TB: Kümmere dich nicht um Trends oder Styles - such dir einfach die Dinge aus, die du magst: Farben, Texturen, Gegenstände, Kunst. Wenn du dich mit Dingen umgibst, die dir wirklich Freude machen, werden sie dir nicht langweilig. Und hab Spaß dran. Die beste Innengestaltung fühlt sich verspielt und kontrastreich an und nimmt sich dabei nicht zu ernst. Dinge, die zu glatt sind, können sich leblos anfühlen.
Textilien sind ein einfacher Weg, einen Raum aufzufrischen. Ich habe in meinem Atelier einige Teppiche, Decken und Stoffe, die ich je nach Laune oder der Kollektion, an der ich gerade arbeite, austausche. Kissen zu wechseln oder Stoffe einzusetzen verändert die Stimmung in einem Raum, bringt Warme und Tiefe…alles ohne große Renovierung.
FF: Wir freuen uns darauf zu sehen, was die Zukunft für dich bringt. Was hast du sonst noch geplant?
TB: Ich arbeite an ein paar aufregenden Projekten, von denen ich noch nicht mehr erzählen kann, aber ich kann sagen, dass meine Illustrationen bald auf Mode und Haushaltswaren zu finden sein werden. Das ist ein Bereich, in den ich schon lange eintauchen wollte und ich freue mich, bald mehr davon zu erzählen!
“Wenn du dich mit Dingen umgibst, die dir wirklich Freude machen, werden sie dir nicht langweilig.”
Erfahren Sie, wie die einzelnen Künstler die Pfingstrose interpretiert haben
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